Der teuerste Verlust steht in keiner Bilanz.

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Autor: Thomas H. Stütz
Chief Global Strategist
Berlin / Stuttgart im Oktober 2026

Deutschland zählt seine Insolvenzen. Aber wer zählt die Unternehmen, die nie entstehen?

2024 wurden 21.812 Unternehmensinsolvenzen registriert, 2025 waren es 24.064. Von Januar bis Juli 2026 kamen 15.185 hinzu. Über 61.000 Unternehmensinsolvenzen in nur 31 Monaten.

Das ist der sichtbare Verlust. Doch keine Insolvenzstatistik erfasst das Unternehmen, das unter den geltenden Bedingungen nie gegründet wird.

2025 stiegen die Steuereinnahmen nominal um 4,4 Prozent auf 989,8 Milliarden Euro. Die reale Wirtschaftsleistung wuchs um 0,2 Prozent. Mehr staatliche Einnahmen bedeuten noch keine erstarkende Wirtschaft.

Auch die Gründungszahlen verlangen einen zweiten Blick. 2025 machten sich laut KfW 690.000 Menschen selbstständig. Doch 70 Prozent gründeten nur im Nebenerwerb. Vollerwerbsgründungen stagnierten mit rund 206.000 das dritte Jahr in Folge.

Gründungen finden statt. Aber steigende Gründungszahlen allein sind noch keine neue wirtschaftliche Breite.

Während Politik Förderprogramme auflegt, Subventionen verteilt und bestehende Strukturen absichert, bleibt die entscheidende Ordnungsfrage: Unter welchen Bedingungen können Menschen im ganzen Land wieder tragfähige Betriebe aufbauen, eigenes Kapital einsetzen, Beschäftigung schaffen und langfristig Verantwortung übernehmen?

Wirtschaftliche Erneuerung beginnt nicht mit dem nächsten Förderbescheid. Sie entsteht in Handwerk, Handel, Dienstleistungen, Industrie und neuen Technologieunternehmen, wo verlässliche Regeln, tragbare Kosten, Kapitalzugang und unternehmerische Freiheit zusammenkommen.

Die OECD stellte 2025 fest, dass deutsche Industrie- und Arbeitsmarktpolitik etablierte Unternehmen begünstigt und damit die wirtschaftliche Erneuerung erschwert habe.

Ein scheiterndes Unternehmen wird statistisch erfasst. Das Unternehmen, das nie entsteht, besitzt weder Beschäftigte noch Interessenvertretung. Seine unterbliebene Wertschöpfung taucht in keiner Haushaltsrechnung auf.

Genau hier liegt die politische Blindstelle!

Regierungen können Einnahmen steigern, Fördermittel ausschöpfen und Verwaltungsziele erfüllen, ohne die Voraussetzungen für neue wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in der Breite zu schaffen.

Der teuerste Verlust ist nicht allein das Unternehmen, das verschwindet. Es ist die wirtschaftliche Zukunft, die unter den gegebenen Bedingungen gar nicht erst entsteht.

Thomas H. Stütz
Chief Global Strategist

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