Deutschlands Energiepolitik an ihrer staatspolitischen Grenze

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Für die Risiken zwischen Persischem Golf und Rotem Meer ist derzeit weder eine belastbare Lösung noch eine zeitlich absehbare Entlastung erkennbar. Deutschland handelt dennoch, als seien Transportwege dauerhaft verfügbar und ausgeschlossene Bezugsoptionen entbehrlich.

Durch Hormus liefen 2025 rund 25 Prozent des seeseitigen Ölhandels und nahezu 20 Prozent des LNG‑Handels. Ihre Beeinträchtigung ist ein reales Preis- und Versorgungsrisiko.

Auch der saudische Ausweichkorridor ist nicht gesichert. Die Ost-West-Pipeline nach Yanbu arbeitet nach Angriffsschäden eingeschränkt. Parallel bedrohen Huthi-Angriffe auf saudische Energieanlagen und die Schifffahrt im Roten Meer den Ausgang über Bab al-Mandab. Ein zusätzlicher Ausfall entzöge dem Markt regionale Umgehungskapazität. Schäden an katarischen LNG-Anlagen erhöhen den Druck.

Der Winter macht daraus eine deutsche Industrie- und Kostenfrage. Westliches Pipelinegas und LNG mindern das Mengenrisiko, schützen jedoch nicht vor Weltmarktpreisen und Engpässen bei Diesel, Heizöl und Vorprodukten.

Deutschlands Defizit liegt nicht in fehlender Infrastruktur, sondern in ihrer politischen Bewirtschaftung. Neben westlichen Korridoren bestehen Jamal über Polen und der intakte Strang von Nord Stream 2; Nord Stream 1 ist wiederherstellbar. Beim Rohöl stehen Druschba, die Transalpine Ölleitung und Seezugänge bereit.

Die Aktivierung verlangt Sanktionsentscheidungen, Zertifizierung, Reparatur oder Verhandlung. Das macht ein strategisches Gesamtportfolio zwingend.

Öl und Gas sind nicht austauschbar; gemeinsam tragen sie Wärme, Strom, Chemie, Produktion und Logistik. Die Ukrainepolitik benötigt Endzustand, nationale Belastungsgrenze und energiepolitische Rückfallposition. Andernfalls wird aus Strategie dauerhafte Selbstbindung.

Die Bundesregierung kennt Risiken, Wirkungsketten und Optionen. Setzt sie die Verengung fort, können die Schäden nicht länger als unbeabsichtigte Nebenfolgen gelten.

Ihre Politik wirkt dann staatspolitisch gegen die wirtschaftliche Substanz des Landes und sozialpolitisch gegen die Belastbarkeit seiner Bevölkerung.

Eine Regierung darf auf Entspannung hinarbeiten. Sie darf die Versorgungssicherheit eines Industrielandes nicht auf die Hoffnung gründen, dass Entspannung rechtzeitig eintritt.

Damit ist die Grenze dessen erreicht, was staatspolitisch noch verantwortet werden kann.

Thomas H. Stütz
Chief Global Strategist

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