Diplomatie in der deutschen Politik ist ein Fremdwort geworden

Lesedauer 2 Min.

Autor: Thomas H. Stütz
Chief Global Strategist
Berlin im Juni 2026

Zeit, über dieses Thema klarer zu sprechen.

Deutschland war historisch einmal ein Land mit erheblicher diplomatischer Substanz, außenpolitischer Disziplin und institutioneller Ernsthaftigkeit.

Genau deshalb ist es umso problematischer, wenn sich Teile der heutigen Außen- und Sicherheitspolitik schon seit viel zu langer Zeit zunehmend in öffentlicher Zuspitzung, moralischer Selbstgewissheit und rhetorischer Entgrenzung verlieren.

Die immer wieder in den Medien und im Netz hör- und lesbare Russland-Rhetorik ist unterirdisch. Sie ist keine Strategie, sondern kurzsichtig und unangebracht.

Hinzu kommt, dass bis heute nicht klar und ehrlich beantwortet wird, welches politische, finanzielle und sicherheitspolitische Endmodell Deutschland gegenüber der Ukraine verfolgt.

Dauerhafte Milliardenverpflichtungen, Waffenlieferungen und Wiederaufbauzusagen dürfen nicht im Modus moralischer Dauerverpflichtung laufen, ohne dass der deutsche Staat seiner eigenen Bevölkerung offenlegt, welches Ziel, welche Grenze und welche langfristige Lastenarchitektur damit verbunden sind.

Immer wieder ist im öffentlichen Raum zu beobachten, wie sicherheitspolitische Akteure Russland nicht mehr nüchtern analysieren, sondern rhetorisch abwerten, moralisieren und öffentlich zuspitzen.

Beispiel Nico Lange heute erneut auf LinkedIn:
„Was Putin in St. Petersburg als ‚Wirtschaftsforum‘ verkauft, ist eine Operation offener und verdeckter Korruption, Pflege gut geschmierter Netzwerke für politische Einflussnahme und banale Propaganda. „‚Wirtschaftliche Chancen‘ mit Putins Russland sind Fiktion.“

Genau diese Form permanenter Russland-Rhetorik ist aus dem heimischen Büro leicht formuliert.

Verantwortung für Deutschland und seine Menschen sieht jedoch gänzlich anders aus!

Und genau darum geht es: nicht um einzelne Protagonisten, sondern um eine seit längerer Zeit erkennbare politische und kommunikative Entgrenzung, die sich durch Teile der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik sowie deren Umfeld zieht.

Deutschland muss in der Außen- und Sicherheitspolitik wieder aus der Logik emotionaler Tribünenrhetorik herausfinden und zur Ernsthaftigkeit staatlicher Verantwortung zurückkehren.

Außen- und Sicherheitspolitik darf nicht in öffentlicher Herabsetzung, moralischer Selbstgewissheit und Eskalationskommunikation aufgehen.

Deutschland sollte historisch und völkerrechtlich besonders wissen, dass Sprache in internationalen Konflikten nicht folgenlos ist und bleibt.

Gegenüber Russland braucht es keine naive Wirtschaftseuphorie und keine weitere unqualifizierte Zuspitzung. Es braucht strategische Nüchternheit, diplomatische Disziplin und klares Bewusstsein für die langfristigen Folgen politischer Entgrenzung.

Wer in diesem Land sicherheitspolitisch spricht, sollte nicht auf Wirkung im Netz und in den Medien zielen, sondern endlich Verantwortung für Deutschland übernehmen.

Thomas H. Stütz
Chief Global Strategist

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