Deutschland und der Mechanismus des dauerhaften Alarmismus!

Lesedauer 2 Min.

Autor: Thomas H. Stütz
Chief Global Strategist
Berlin / Stuttgart, im Januar 2026

Kann ein heutiges Deutschland, das sich kommunikativ dauerhaft im Alarmmodus hält, im internationalen Wettbewerb langfristig bestehen und erfolgreich in die Zukunft gehen?

Nein.

Weder soziologisch noch psychologisch, weder als Basis einer wachsenden Wirtschaft, noch im Hinblick auf die Stabilität und zur Förderung eines selbstbewussten und mündigen Bürgers.

Denn ein dauerhaft alarmiertes Land führt nicht, es reagiert. Und es untergräbt damit seine eigene strategische Handlungsfähigkeit.

Die wiederholte Beobachtung der deutschen Medienlandschaft zeigt ein klares Muster:  Alltägliche Ereignisse werden regelmäßig zu Krisenszenarien überhöht.

Gestern wurde schneeseitig mit Sturmwarnungen der „Weltuntergang“ angekündigt, verbunden mit der Aufforderung, möglichst zu Hause zu bleiben.

Heute Morgen dann:
Nichts Wesentliches passiert. Und dennoch inszenierten Reporter und Moderatoren großer Nachrichtensender bei rund zehn Zentimetern Schnee erneut dramatische Lageberichte.

Der konkrete Anlass ist nebensächlich. Entscheidend ist die Struktur dahinter.

Seit Jahren lässt sich ein Kommunikationsmodus beobachten, der auf permanente Alarmierung setzt. Was als Vorsorge beginnt, wird zur Gewohnheit: Überzeichnung, Emotionalisierung und der stetige Appell an Angst ersetzen zunehmend nüchterne Einordnung.

Dieses Muster hat nicht erst gestern begonnen.

Es lässt sich von der späten Merkel Ära über die Corona Politik bis in die gegenwärtige Regierungsführung klar nachzeichnen. Alarmismus wird dabei zum Steuerungsinstrument, nicht durch offene Repression, sondern durch psychologische Konditionierung.

Wer dauerhaft in Warnlagen gehalten wird, hinterfragt seltener, widerspricht weniger und akzeptiert Einschränkungen eher als Normalität. Parallel dazu werden minimale Entlastungen kommunikativ überhöht, kleine Preisrückgänge oder symbolische Rentenanpassungen, während reale Belastungen strukturell weiter steigen.

Problematisch ist nicht die Information über Risiken, sondern die systematische Entkopplung von Maßstab und Wirklichkeit.

Eine Gesellschaft, die fortlaufend in den Krisenmodus versetzt wird, verliert langfristig Resilienz, Urteilskraft und Selbstvertrauen. Anpassungsfähigkeit wird ersetzt durch Abhängigkeit von Anleitung.

Wer abweicht oder widerspricht, gerät schnell in den Verdacht des Unverantwortlichen! Das erzeugt Konformität, nicht Stabilität.

Historisch ist Deutschland mit solchen Dynamiken vertraut. Die Parallelen zu früheren autoritären Steuerungslogiken sind zumindest nicht mehr von der Hand zu weisen.

Eine freiheitliche, leistungsfähige Industrienation lebt nicht von Angstkommunikation, sondern von Vertrauen in ihre Bürger.

Dauerhafter Alarmismus ist kein Zeichen von Stärke.

Er ist ein Symptom politischer und medialer Orientierungslosigkeit und damit Ausdruck einer tiefgreifenden, massiven systemischen Schwäche.

Thomas H. Stütz
Chief Global Strategist

 

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