Das Bundespräsidentenamt ist keine politische Recyclingstelle.

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Vielmehr eine Integrationsfunktion!

Autor: Thomas H. Stütz
Chief Global Strategist
Berlin / Stuttgart, im Februar 2026

Die aktuelle Diskussion und Merkels Dementi hin oder her, über eine mögliche Kandidatur von Angela Merkel für das Amt des Bundespräsidenten offenbart weniger eine Personalfrage als ein institutionelles Missverständnis.

Das Amt des Bundespräsidenten ist kein politischer Ehrenposten für ehemalige Regierungschefs. Es ist die höchste Integrations- und Repräsentationsinstanz unseres Staates.

Es verlangt überparteiliche Autorität, glaubwürdige Distanz zur Tagespolitik und eine symbolische Befriedungsfunktion nach Phasen gesellschaftlicher Polarisierung.

Angela Merkel war über 16 Jahre prägende Regierungschefin. Ihre Amtszeit ist untrennbar mit weitreichenden politischen Entscheidungen verbunden, insbesondere 2015, die bis heute strukturelle, gesellschaftliche und sicherheitspolitische Folgewirkungen entfalten.

Diese Entscheidungen sind politisch umstritten und wirken nach innen wie nach außen polarisierend.

Gerade deshalb wäre eine erneute Platzierung in das formal überparteiliche Staatsoberhaupt-Amt institutionell problematisch.

Ein Bundespräsident muss integrativ wirken können.

Wer jedoch selbst zum Gegenstand tiefgreifender politischer Kontroversen geworden ist, kann diese Rolle nur eingeschränkt erfüllen.

Es geht nicht um persönliche Bewertung, sondern um institutionelle Funktionalität. Das Bundespräsidentenamt verlangt symbolische Neuorientierung, nicht die Reaktivierung vergangener politischer Epochen.

Deutschland steht vor strukturellen Herausforderungen: wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, gesellschaftliche Kohärenz, sicherheitspolitische Verlässlichkeit und internationale Anschlussfähigkeit.

In dieser Lage benötigt das Land eine Persönlichkeit, die als Brücke in die Zukunft wahrgenommen wird, nicht als Repräsentanz einer politisch abgeschlossenen Phase.

Ein starkes Staatsoberhaupt entsteht nicht aus parteitaktischer Erwägung, sondern aus ordnungspolitischer Klugheit.

Die Frage lautet daher nicht, ob eine Kandidatur möglich wäre.

Die Frage lautet, ob sie dem Amt, der gesellschaftlichen Integrationsfähigkeit und der strategischen Positionierung Deutschlands gerecht würde.

Thomas H. Stütz
Chief Global Strategist

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